Wasser im Keller: Was tun bei Hochwasser und Starkregen?
Wasser im Keller kann durch Starkregen, Rückstau, Grundwasser oder einen technischen Defekt entstehen. Entscheidend ist zunächst nicht die schnellste Pumpe, sondern die richtige Reihenfolge: Gefahren erkennen, Ursache einschätzen und erst dann das Wasser sicher beseitigen.
Warum steht Wasser im Keller? Die Ursache entscheidet
Nicht jeder nasse Keller ist gleich. Bevor gepumpt oder abgedichtet wird, sollte möglichst geklärt werden, woher das Wasser kommt. Je nach Ursache unterscheiden sich sowohl Sofortmaßnahme als auch dauerhafte Lösung.
Wasser von außen
Oberflächenwasser kann über Kellertüren, Treppenabgänge, Lichtschächte oder andere tiefliegende Öffnungen eindringen.
Rückstau
Bei überlasteter Kanalisation kann Abwasser über tieferliegende Abläufe zurück in das Gebäude gedrückt werden. Hier ist eine funktionierende Rückstausicherung entscheidend.
Grundwasser
Steigt der Grundwasserspiegel stark an, kann Wasser durch Schwachstellen an Bodenplatte, Wänden oder Abdichtungen drücken. Das ist beim späteren Abpumpen besonders relevant.
Rohr- oder Leitungsschaden
Auch ein defektes Wasserrohr, eine Waschmaschine oder eine andere technische Ursache kann größere Mengen Wasser verursachen. Dann muss zuerst die Quelle gestoppt werden.
Merksatz: Die Pumpe beseitigt das Wasser – aber nicht die Ursache. Bei wiederkehrenden Problemen sollte deshalb geklärt werden, ob Rückstau, bauliche Schwachstellen oder eindringendes Oberflächen- bzw. Grundwasser dahinterstecken.
Welche Pumpe eignet sich bei Wasser im Keller?
Welche Pumpe bei Wasser im Keller sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie stark das Wasser verschmutzt ist und wie weit ihr den Bereich am Ende leerpumpen möchtet. Für relativ sauberes Wasser braucht ihr eine andere Lösung als für eine Mischung aus Schlamm, Sand und Schmutz.
Bei der Pumpenauswahl wichtig: Schaut nicht nur auf die maximale Fördermenge. Auch zulässige Partikelgröße, Förderhöhe, Restwasserstand, Schlauchdurchmesser und automatische Ein- und Ausschaltung entscheiden darüber, ob eine Pumpe zum konkreten Einsatz passt. Bei elektrischen Geräten spielt außerdem die jeweilige Schutzart eine Rolle. Was Angaben wie IP44, IP67 oder IP68 bedeuten, erklären wir in unserem Ratgeber zu den IP-Schutzarten .
Keller auspumpen: Die richtige Reihenfolge
Wenn das Wasser im Keller höher steht, ist schnelles Handeln verständlich. Trotzdem sollte nicht einfach eine Pumpe ins Wasser gestellt und eingeschaltet werden. Sicherheit und Ursache kommen zuerst.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, mit Abpumparbeiten erst zu beginnen, wenn sicher ist, dass der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. Andernfalls kann die Bodenwanne des Hauses Schaden nehmen.
Hochwasser-Checkliste: Diese Ausrüstung sollte bereitliegen
Wer in einer gefährdeten Lage schon einmal Wasser im Keller hatte, weiß, wie wichtig vorbereitete Ausrüstung sein kann. Wenn Tauchpumpe, Schlauch oder Taschenlampe erst gesucht werden müssen, während bereits Wasser eindringt, geht wertvolle Zeit verloren.
Vorher vorbereiten
- Passende Tauch- oder Schmutzwasserpumpe
- Ausreichend langer und passender Ablaufschlauch
- Rückstausicherung überprüfen lassen
- Kellerfenster und Lichtschächte kontrollieren
- Mobile Hochwasserbarriere oder geeignetes Schutzmaterial
- Wassermelder an gefährdeten Stellen
Für den Ernstfall
- Taschenlampe griffbereit halten
- Warnmeldungen und Wetterlage verfolgen
- Wichtige Telefonnummern verfügbar halten
- Wertgegenstände nicht bodennah lagern
- Chemikalien und gefährliche Stoffe hochwassersicher lagern
- Pumpen und Schläuche regelmäßig auf Funktion prüfen
Für danach
- Kamera oder Smartphone zur Schadendokumentation
- Hilfsmittel für Restwasser und Schlamm
- Luftentfeuchter oder Bautrocknung einplanen
- Feuchtigkeit von Wänden und Boden kontrollieren
- Elektrik und betroffene Technik prüfen lassen
- Ursache anschließend dauerhaft beheben
Nicht nur kaufen – testen: Eine Pumpe, die seit drei Jahren ungeprüft im Regal liegt, ist im Ernstfall wenig beruhigend. Pumpe, Schwimmerschalter, Schlauch und Anschlüsse sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Auch an einen möglichen Stromausfall denken: Starkregen und Unwetter können zusätzlich die Stromversorgung beeinträchtigen. Eine davon getrennte Notstromvorsorge kann deshalb sinnvoll sein. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, zeigen wir in unserem Ratgeber Powerstation als Notstromaggregat . Elektrische Geräte dürfen dabei niemals unsicher in oder unmittelbar an überfluteten Bereichen betrieben werden.
Nach dem Hochwasser: Keller trocknen und Folgeschäden begrenzen
Mit dem Abpumpen ist das Problem noch nicht beendet. Feuchtigkeit kann in Estrich, Dämmung, Wände und andere Bauteile eingedrungen sein. Deshalb sollte die Trocknung möglichst früh und passend zum Schaden organisiert werden.
Wasser & Schlamm entfernen
Nach dem eigentlichen Pumpen müssen Restwasser und Schlamm beseitigt werden. Bei stark verunreinigtem Wasser ist besondere Vorsicht erforderlich.
Feuchtigkeit herausbekommen
Je nach Schadensumfang können Luftentfeuchter oder professionelle Bautrockner sinnvoll sein. Bei größeren Wasserschäden sollte ein Fachbetrieb die notwendige Trocknung beurteilen.
Verdeckte Schäden prüfen
Feuchtigkeit kann auch dort sitzen, wo eine Oberfläche bereits trocken aussieht. Elektrik, Dämmung, Wandaufbau und gegebenenfalls Baustatik sollten fachgerecht kontrolliert werden.
Wichtig: Nach einem größeren Wasserschaden geht es nicht darum, einen Keller einfach möglichst heiß zu machen. Entscheidend ist eine kontrollierte und zum Bauteil passende Trocknung, damit Feuchtigkeit tatsächlich aus dem Aufbau entfernt wird.
So beugt ihr Wasser im Keller vor
Die beste Pumpe hilft erst, nachdem Wasser eingedrungen ist. Langfristig ist deshalb wichtiger, die möglichen Eintrittswege zu kennen und das Haus möglichst gut auf Starkregen und Hochwasser vorzubereiten.
Rückstau absichern
Tief liegende Entwässerungsstellen können bei überlasteter Kanalisation zum Problem werden. Rückstausicherungen sollten zum Gebäude und zur Entwässerungssituation passen und fachgerecht ausgeführt werden.
Lichtschächte & Zugänge schützen
Kellertreppen, Türen und Lichtschächte sind typische Eintrittswege für Oberflächenwasser. Schwellen, Abdeckungen oder mobile Schutzsysteme können hier Teil der Vorsorge sein.
Pumpensumpf einplanen
Bei wiederkehrendem Wassereintritt kann ein fachgerecht geplanter Pumpensumpf mit geeigneter Tauchpumpe eine dauerhafte Lösung unterstützen.
Keller clever nutzen
Wertvolle Gegenstände, wichtige Dokumente und umweltgefährdende Stoffe sollten in gefährdeten Kellerräumen nicht direkt auf dem Boden oder an besonders exponierten Stellen lagern.
Häufige Fragen zu Wasser im Keller
Was muss ich bei Wasser im Keller als Erstes tun?
Zuerst geht es um Sicherheit. Einen bereits gefluteten Keller nicht betreten. Strom nur aus einem sicheren, trockenen Bereich abschalten. Danach Ursache, Wasserart und weiteren Wasserzulauf beurteilen.
Welche Pumpe brauche ich für einen überfluteten Keller?
Bei relativ sauberem Wasser kommt häufig eine Klarwasser-Tauchpumpe infrage. Bei Schlamm, Sand und größeren Schmutzpartikeln ist eine Schmutzwasserpumpe meist geeigneter. Für geringe Restwasserstände gibt es flachsaugende Modelle.
Wann brauche ich eine Schmutzwasserpumpe?
Wenn das Förderwasser deutlich verschmutzt ist und feste Partikel enthält. Entscheidend ist die vom Hersteller zugelassene maximale Partikelgröße.
Was bedeutet flachsaugende Tauchpumpe?
Diese Bauart ist darauf ausgelegt, einen geeigneten ebenen Bereich bis auf einen relativ niedrigen Restwasserstand abzupumpen. Sie ist deshalb beispielsweise für die letzten Zentimeter oder Millimeter interessant.
Darf man einen Keller bei Hochwasser sofort leerpumpen?
Nicht grundsätzlich. Bei hohem Grundwasserstand kann zu frühes vollständiges Abpumpen das Gebäude belasten. Das BBK empfiehlt, erst zu beginnen, wenn sicher ist, dass der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist.
Was kann man gegen Starkregen am Haus vorbereiten?
Sinnvoll sind unter anderem gesicherte Lichtschächte und Kellerzugänge, funktionierende Rückstausicherungen, eine passende Pumpe mit Schlauch sowie eine durchdachte Lagerung wertvoller und gefährlicher Gegenstände.
Wie bekommt man den Keller nach dem Abpumpen trocken?
Zuerst werden Restwasser und Schlamm entfernt. Danach muss die verbleibende Feuchtigkeit aus Bauteilen und Raumluft heraus. Je nach Schaden können Luftentfeuchter, Bautrocknung und eine fachliche Kontrolle notwendig sein.
Lohnt sich ein Wassermelder im Keller?
In gefährdeten Bereichen kann ein Wassermelder früh auf austretendes oder eindringendes Wasser aufmerksam machen. Er verhindert den Wassereintritt nicht, kann aber wertvolle Reaktionszeit schaffen.
Weiterführende Informationen: Für Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser und Starkregen orientiert sich dieser Ratgeber unter anderem an den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie den BBK-Hinweisen zum Starkregenschutz . Bei einer akuten Gefahrenlage haben behördliche Warnungen und die Anweisungen der Einsatzkräfte immer Vorrang.
Hey, ich bin Nicolas und ich bin staatlich geprüfter Techniker im Bereich Mechatronik. Ich verfüge über eine jahrelange Erfahrung in der Produktentwicklung und im Prüfwesen für Prototypen. Seit 2019 schreibe ich regelmäßig Vergleiche, führe Produkttests durch und ich habe mich hierbei auf die Themen Stromerzeugung und Wärmeenergie spezialisiert.
